Die Puch-Mopeds von 1954 bis 1987
In der Phase des Wiederaufbaues Österreichs von den Kriegsschäden
erkannte man die Notwendigkeit, auch ein „Fahrrad mit Hilfsmotor“, wie
damals die gesetzlich korrekte Bezeichnung für Mopeds lautete, ins
Produktionsprogramm aufzunehmen. Die Konstruktionsarbeiten für das
Puchmoped vom Typ MS 50 wurden im Herbst 1952 in Angriff genommen. Im Sommer
1954 stellte man der Presse bereits das erste Vorserienfahrzeug vor, im
Herbst des selben Jahres kam das Fahrzeug auf den Markt.
In Europa war das Moped als eigene Fahrzeugkategorie anerkannt und auch
entsprechend vom Käuferpublikum gefragt. Daher produzierten fast alle
etablierten Motorradfabriken Mopeds.
Selbstverständlich konnte der Zweiradhersteller Puch an diesem
Geschäft nicht vorbeigehen. Und man hatte bereits im Reißbrettstadium
die Möglichkeit einer Beschickung europäischer Exportmärkte
ins Auge gefaßt, obwohl die gesetzlichen Vorschriften darüber,
was ein Moped zu sein hatte, ziemlich unterschiedlich waren. Einheitlich
war nur die Hubraumobergrenze von 50 cm3. Aber in Deutschland galt ein
Gewichtslimit von 33 kg, ohne Geschwindigkeitslimit. In Frankreich, Italien,
Holland und Portugal gab es lediglich das 50 cm3 - Hubraumlimit, die Schweden
schrieben zusätzlich 0,8 PS Maximalleistung und eine Bauartgeschwindigkeit
vom 30 km/h vor, in Österreich galt ebenfalls das Tempolimit, allerdings
vom 30 km/h, das 1955 auf 40 km/h angehoben wurde.
Eine weitere gesetzliche Bestimmung besagte, daß das Fahrzeug
mit Hilfsmotor mit Hilfe der Pedale allein gefahren können werden
muß. Dies führte ja zum Bauartmerkmal der Pedale an jedem Moped,
die Abkürzung steht ja für „Motorisierte PEDale“.
Nun, die Gesetzesanpassung an die tatsächlichen Gegebenheiten erfolgte
schleppend, aber dennoch. So ließ der deutsche Gesetzgeber die Bestimmung
der Gewichtsbeschränkung im Jahre 1955 fallen, es gab dafür das
Geschwindigkeitslimit von 40 km/h. Als in Deutschland die Möglichkeit
geschaffen wurde, an der Stelle der Pedale einen Kickstarter anzubringen,
wurde die Bezeichnung „Mokick“ eingeführt.
Alles in Allem erforderte schon die Belieferung dieses Marktes eine
erkleckliche Typenvielfalt. Noch wesentlich umfangreicher wurde das Lieferprogramm
von Puch in der Hochblüte des Mopedgeschäftes, wenn man bedenkt,
daß Puch weltweit „Mopeds“ anbot und in vielen Ländern ja erst
die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Mopedmarkt geschaffen werden
mußten.
Puch war dadurch all die Jahre, in der in Graz-Thonsdorf Mopeds erzeugt
wurden, nicht nur in Österreich sondern in vielen Exportmärkten
Marktführer, und das über drei Jahrzehnte.
Die Qualität und das hohe Image der Puch-Mopeds ist unbestritten.
Technisch innovative Features, gepaart mit unverwüstlicher Alltagstauglichkeit,
waren die Kennzeichen der Puch-Mopeds. Daß durch die lange Modellkonstanz
und den Verzicht auf modischen Schnick-Schnack bei besonders modebewußten
Käuferschichten manchmal der Eindruck erweckt wurde, die „Puch-Moperln“
seien altväterlich, liegt im Wesen der Sache. Dennoch, aus historischer
Sicht war dies Modellkonstanz und Solidität der einzig richtige Weg
zum Erfolg.
Als Anfang Februar 1987 die Nachricht vom offiziellen „Aus“ der Zweiradproduktion
in Graz über den Fernschreiber ratterte, war ein Stück österreichischen
Zeitgeschehens Vergangenheit geworden.
Der italienische Piaggio-Konzern kaufte den Motorrad Bereich von Steyr
Daimler Puch auf.
Seitdem entstehen die österreichischen Mopeds in den Piaggio
Werken in der Toskana.
Quelle: Das goße Puch-Buch, Verlag H. Weishaupt
in Graz